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Ein Härtefall ist immer ein besonderer Fall

Härtefallantrag

Härtefallantrag allgemein
Härtefallantrag für Juristen

Härtefallantrag allgemein

Der Härtefallantrag, auch Gnadenversuch genannt, ist ein Instrument, mit dessen Hilfe Sie trotz erfolgloser Wiederholungsprüfung im Studium, Referendariat oder anderer Prüfungssituation eine nochmalige Wiederholung erreichen können. Ein Härtefallantrag kann nur erfolgreich sein, wenn er schlüssig begründet und sorgsam formuliert wird. Für den Härtefallantrag oder Gnadenversuch gibt es unterschiedliche Voraussetzungen innerhalb der Fachrichtungen. Beispielsweise ist für das juristische Staatsexamen der Härtefallantrag in fast allen Ausbildungsordnungen geregelt. Aber auch in anderen Studiengängen findet sich zumeist eine Regelung für diesen Spezialfall. Zu unterscheiden ist der Härtefallantrag von einem nachträglichen Rücktritt wegen Prüfungsunfähigkeit bzw. unerkannter Prüfungsunfähigkeit. Ein Rücktritt wegen unerkannter Prüfungsunfähigkeit kommt vornehmlich dann in Betracht, wenn in der Prüfungsordnung keine Härtefallregelung vorgesehen ist.

Schwierigkeiten ergeben sich bei der Formulierung und der rechtlichen Einordnung eines Härtefalls. Nicht alles, was der Prüfling als unzumutbare Beeinträchtigung empfindet oder einstuft ist auch rechtlich als Härtefall einzustufen. Gründe für eine Wiederholung können gesundheitliche, soziale oder familiäre Schwierigkeiten von einigem Gewicht sein. Hier bedarf es einer genauen Prüfung, ob ein solcher Härtefallantrag erfolgreich eingereicht werden kann.

Häufig erhalte ich die Anfrage nach einer Vorlage oder einem Muster zu einem solchen Härtefallantrag. Da jedes “Gnadengesuch” einen Einzelfall darstellt, kann ich Ihnen eine solche Vorlage nicht anbieten. Gerne helfe ich Ihnen aber bei der Erstellung eines Härtefallantrages. Es ist dabei auch nicht zwingend erforderlich, dass ich als Rechtsanwalt für Sie nach außen auftrete. Wir können auch vereinbaren, dass ich Ihnen den Härtefallantrag formuliere und Sie diesen in Ihrem Namen einreichen.

Übrigens wird dieser Härtefallantrag auch ironischerweise „Ministerschwanz“ genannt, da die Genehmigung eines solchen Härtefallantrages früher ausschließlich durch das jeweilige Ministerium, noch früher sogar durch den Minister höchstpersönlich erteilt wurde. Dieser Begriff hat sich bis heute gehalten. Allerdings entscheidet nun meist die Präsidentin oder der Präsident des jeweiligen Prüfungsamtes oder der Vorsitzende des Prüfungsausschusses.

Härtefallantrag/Gnadengesuch speziell für Juristen

In allen Prüfungsordnungen für Juristen ist zumindest für das zweite Staatsexamen die Möglichkeit eines Härtefallantrages geregelt. Die einzelnen Voraussetzungen und vor allem die Handhabe mit den jeweiligen Vorschriften sind von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Mal genügt ein freundlicher Anruf, mal hat man das Gefühl, dass ein Härtefallantrag unter keinen Umständen anerkannt werden soll.

Fast alle Regelungen haben gemeinsam, dass ein Härtefall vorliegen muss. Zusätzlich verlangen einige Prüfungsordnungen, dass ein bestimmter Punktedurchschnitt erreicht werden muss und eine hinreichende Aussicht auf Erfolg bei der zweiten Wiederholungsprüfung gegeben ist. In Berlin beispielsweise ist diese hinreichende Aussicht schon gegeben, wenn eine bestimmte Punktzahl erreicht worden ist.

Diese Härtefallanträge gelten vornehmlich für das zweite juristische Staatsexamen. Mittlerweile kennen aber auch einige Prüfungsordnungen einen solchen Härtefallantrag für Schwerpunktprüfungen und dergleichen. Sollte ein Härtefallantrag nicht möglich sein, so ist über einen Rücktritt wegen unerkannter Prüfungsunfähigkeit nachzudenken.